Das „Big Five“-Persönlichkeitsmodell: Was ist das und wozu kann man es nutzen?
In der Personalbranche kommen Persönlichkeitsmodelle immer häufiger zum Einsatz. Durch die Durchführung eines
Persönlichkeitstests bei einem Bewerber oder Mitarbeiter erhalten Sie ein klares Bild von dessen Persönlichkeit. Dieses Bild können Sie nutzen, um zu entscheiden, ob ein Bewerber zu Ihrem Unternehmen passt oder nicht, welche Position dieser Bewerber am besten bekleiden kann und um zu prüfen, ob ein bestehender Mitarbeiter an der richtigen Stelle in der Organisation ist oder nicht.
Es gibt verschiedene Persönlichkeitsmodelle, die Sie als Personalmanager einsetzen können. Eines der bekanntesten und beliebtesten Modelle ist das „Big Five“-Persönlichkeitsmodell. Mehr über dieses Modell erfahren Sie auf dieser Seite.
Warum das Big-Five-Modell der Goldstandard ist
Das „Big Five“-Persönlichkeitsmodell unterscheidet sich von anderen Modellen durch seine wissenschaftliche Grundlage. Jahrzehntelange Forschung hat gezeigt, dass diese fünf Dimensionen universell sind und kulturübergreifend vorkommen. Dies macht das Modell zuverlässig für Unternehmen, die weltweit tätig sind.
| Vorteil des „Big Five“-Modells |
Praktischer Nutzen |
| Wissenschaftlich validiert |
Zuverlässige Vorhersagen zur Arbeitsleistung |
| Kulturell neutral |
Anwendbar in internationalen Teams |
| Dimensional (keine Typen) |
Differenziertes Bild ohne Stereotypisierung |
| Über einen längeren Zeitraum stabil |
Langfristige Planung möglich |
Das Big-Five-Persönlichkeitsmodell: eine kurze Einführung
Das Big-Five-Persönlichkeitsmodell ist ein Modell mit fünf Persönlichkeitsmerkmalen. Das Modell wird in der psychologischen Forschung, aber auch bei der Personalbeschaffung und -auswahl, bei der Analyse und Bewältigung von Konflikten am Arbeitsplatz sowie im Coaching eingesetzt. Auch als Personalmanager lässt sich das Persönlichkeitsmodell gut nutzen.
Ein wichtiges Merkmal des „Big Five“-Persönlichkeitsmodells ist, dass die Werte der fünf Persönlichkeitsmerkmale normalverteilt sind. Personen, die diesen Test absolvieren, werden nicht in eine Schublade gesteckt. Sie können beispielsweise auch ein wenig introvertiert und gleichzeitig ein wenig extrovertiert sein. Dies macht den „Big Five“-Persönlichkeitstest sehr zuverlässig und somit nützlich.
Wie funktioniert das „Big Five“-Persönlichkeitsmodell?
Wie bereits erwähnt, gibt es gemäß dem „Big Five“-Persönlichkeitsmodell fünf Persönlichkeitsmerkmale. Diese Persönlichkeitsmerkmale werden im Folgenden kurz beschrieben.
Die fünf Dimensionen im Detail
| Dimension |
Merkmale bei hoher Punktzahl |
Merkmale bei niedriger Punktzahl |
Ideale Aufgaben |
| Extraversion |
Gesellig, energisch, selbstbewusst, optimistisch |
Ruhig, zurückhaltend, unabhängig |
Vertrieb, Management, PR |
| Nachgiebigkeit |
Kooperativ, vertrauensvoll, einfühlsam |
Wettbewerbsorientiert, skeptisch, direkt |
Teamarbeit, Pflege, Personalwesen |
| Sorgfalt |
Organisiert, zuverlässig, diszipliniert |
Flexibel, spontan, kreativ |
Verwaltung, Projektmanagement |
| Emotionale Stabilität |
Ruhig, selbstbewusst, stressresistent |
Emotional, besorgt, sensibel |
Führungsaufgaben, Krisenmanagement |
| Offenheit |
Kreativ, neugierig, intellektuell |
Praktisch, traditionell, konventionell |
F&E, Design, Beratung |
Extraversion
Extraversion bezeichnet das Ausmaß, in dem eine Person das Bedürfnis nach Kontakt mit anderen hat oder nicht. Extravertierte Menschen sind gesellig, aktiv und gesprächig. Introvertierte Menschen arbeiten lieber allein in einer ruhigen Umgebung.
Verträglichkeit
Verträglichkeit wird im Big-Five-Persönlichkeitstest auch als Freundlichkeit bezeichnet. Dies ist das Ausmaß, in dem eine Person nachgiebig, tolerant und hilfsbereit ist. Eine weniger verträgliche Person ist oft wettbewerbsorientierter und manchmal weniger kooperativ.
Gewissenhaftigkeit
Gewissenhaftigkeit steht für das Ausmaß, in dem eine Person organisiert und zielgerichtet arbeitet.
Emotionale Stabilität
Emotionale Stabilität steht für das Ausmaß, in dem eine Person emotional stabil ist oder nicht. Ist jemand nicht emotional stabil, ist diese Person neurotisch.
Offenheit
Offenheit steht im Allgemeinen dafür, inwieweit eine Person bereit und in der Lage ist, offen zu sprechen, doch im „Big Five“-Persönlichkeitstest hat dieser Begriff eine andere Bedeutung. In diesem Fall steht Offenheit nämlich dafür, inwieweit eine Person offen für neue Erfahrungen und/oder neue Ideen ist. Menschen, die in dieser Kategorie hohe Werte erzielen, sind oft etwas flexibler als Menschen mit niedrigeren Werten.
Wie die Werte interpretiert werden
Das Big-Five-Modell verwendet Perzentilwerte, die angeben, wie jemand im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung abschneidet:
Deutung der Werte:
Sehr hoch (90-100 %):
Extrem in dieser Eigenschaft, ausgeprägtes Verhalten in diese Richtung
Hoch (70-89 %):
Deutlich vorhanden, aber nicht extrem
Durchschnittlich (30-69 %):
Gleichgewicht zwischen beiden Extremen
Niedrig (10-29 %):
Nur begrenzt vorhanden
Sehr niedrig (0-9 %):
Kaum vorhanden, Verhalten in die entgegengesetzte Richtung
Ein Persönlichkeitstest ohne Schubladendenken
Wie bereits erwähnt, steckt der Big-Five-Persönlichkeitstest Menschen nicht in Schubladen. Man kann zum Beispiel ein bisschen extrovertiert, ein bisschen sorgfältig und ein bisschen offen für neue Erfahrungen und Ideen sein.
Nach dem Ausfüllen des Tests siehst du genau, welche Werte du pro Charaktereigenschaft erzielst. Ist der Wert sehr hoch oder sehr niedrig, befindest du dich bei dieser Charaktereigenschaft in einem der Extreme. In diesem Fall bist du zum Beispiel überhaupt nicht besonders extrovertiert. Liegt dein Wert im Mittelfeld, bist du in diesem Fall ein wenig extrovertiert, aber nicht besonders stark.
https://www.youtube.com/watch?v=lc7vN_e36Yc
Praktische Anwendungen für verschiedene HR-Prozesse
Das Big-Five-Modell kann in verschiedenen HR-Prozessen eingesetzt werden. Jede Anwendung erfordert einen spezifischen Ansatz:
| HR-Prozess |
Relevante Dimensionen |
Spezifische Anwendungen |
| Personalbeschaffung und -auswahl |
Alle fünf Dimensionen |
Funktionspassung, kulturelle Passung, Teamzusammensetzung |
| Karriereentwicklung |
Offenheit, Sorgfalt |
Lernpräferenzen, Karrierewege |
| Teambildung |
Extraversion, Anpassungsfähigkeit |
Rollenverteilung, Kommunikationsstile |
| Führungskräfteentwicklung |
Extraversion, emotionale Stabilität |
Führungsstil, Stressbewältigung |
| Konfliktmediation |
Nachgiebigkeit, emotionale Stabilität |
Kommunikationsansatz, Spannungsquellen |
Anwendung des Big-Five-Persönlichkeitsmodells: Tipps
Möchten Sie den
„Big Five“-Persönlichkeitstest
in Ihrem Unternehmen einsetzen? Dann geben wir Ihnen gerne einige Tipps, wie Sie diesen Test richtig bei der Vorauswahl von Bewerbern und der Beurteilung Ihrer Mitarbeiter, insbesondere von Bewerbern, einsetzen können.
Tipp 1: Geben Sie Ihrem Gesprächspartner Zeit, den Test zu absolvieren
Es wäre schade, wenn der „Big Five“-Persönlichkeitstest überstürzt durchgeführt würde, da der Test in diesem Fall weniger zuverlässig ist. Weisen Sie Ihren Gesprächspartner jedoch darauf hin, dass er nicht zu lange über die Fragen und Antworten im Test nachdenken sollte. Denn wenn zu viel nachgedacht wird, sinkt wiederum die Wahrscheinlichkeit zuverlässiger Antworten.
Tipp 2: Wählen Sie einen zuverlässigen Test
Es gibt viele Unternehmen, die den „Big Five“-Persönlichkeitstest anbieten. Nicht alle Unternehmen verfügen über einen zuverlässigen Test. Wenn du einen zuverlässigen und validierten Test von einem seriösen Anbieter wählst, kannst du sicher sein, dass du eine aussagekräftige Untersuchung durchführen kannst. Das ist wichtig, denn nur eine aussagekräftige Untersuchung liefert ein klares Bild der Persönlichkeit einer Person.
Tipp 3: Besprechen Sie den Test
Haben Sie mit einem Kandidaten für eine offene Stelle durch einen bestehenden Mitarbeiter innerhalb der Organisation einen Test durchgeführt? Dann vergessen Sie nicht, den Test zu besprechen. Die nackten Testergebnisse sind interessant, aber die Kommentare einer Person zu diesen Ergebnissen sind noch interessanter. Fragen Sie beispielsweise, ob er oder sie mit den Ergebnissen einverstanden ist, oder ob er oder sie sich in den Ergebnissen wiedererkennt. Fragen Sie auch einmal weiter nach: Warum ist Ihr Gesprächspartner eigentlich so? Was hält er oder sie davon? Ist das gut oder schlecht?
Indem Sie Fragen zu den Ergebnissen des Big-Five-Persönlichkeitstests stellen, erhalten Sie ein noch klareres Bild vom Charakter Ihres Gesprächspartners. Dies macht das Persönlichkeitsmodell in Ihrer Arbeit als Personalmanager noch wertvoller.
Zusätzliche Tipps zur Umsetzung
Tipp 4: Kombinieren Sie die Ergebnisse mit anderen Informationen
Verwende die „Big Five“ niemals als einziges Auswahlkriterium. Kombiniere die Ergebnisse mit Kompetenzgesprächen, Referenzen und Berufserfahrung, um ein vollständiges Bild zu erhalten.
Tipp 5: Schulen Sie Ihr HR-Team
Stellen Sie sicher, dass die Mitarbeiter der Personalabteilung wissen, wie sie Testergebnisse interpretieren und besprechen müssen. Eine falsche Interpretation kann zu Diskriminierung und insbesondere zu falschen Entscheidungen führen.
Tipp 6: Achten Sie auf Datenschutz und Transparenz
Seien Sie transparent hinsichtlich des Zwecks des Tests und der Verwendung der Ergebnisse. Respektieren Sie das Recht auf Privatsphäre und bewahren Sie die Ergebnisse sicher auf.
Häufige Fehler vermeiden
Diese Fehler treten bei der Anwendung des Big-Five-Modells häufig auf:
| Häufiger Fehler |
Warum das problematisch ist |
Bessere Vorgehensweise |
| Die Ergebnisse als absolute Wahrheit betrachten |
Kein Raum für Wachstum oder Veränderung |
Ergebnisse als Anhaltspunkt nutzen |
| Nur extreme Werte als wichtig erachten |
Durchschnittswerte enthalten ebenfalls wertvolle Informationen |
Alle Ergebnisse im Kontext betrachten |
| Eine Dimension überbewerten |
Vereinfachung einer komplexen Persönlichkeit |
Alle Dimensionen ganzheitlich betrachten |
| Ergebnisse nicht besprechen |
Verpasste Gelegenheit zur Vertiefung |
Stets Feedback- und Reflexionsgespräche führen |
Beispielprofile für verschiedene Funktionen
Diese Profile geben einen Anhaltspunkt dafür, welche Bewertungen in bestimmten Rollen häufig zum Erfolg führen:
| Position |
Extraversion |
Verträglichkeit |
Gewissenhaftigkeit |
Emotionale Stabilität |
Offenheit |
| Vertriebsleiter |
Hoch |
Mittel |
Hoch |
Hoch |
Durchschnittlich |
| Buchhalter |
Niedrig |
Durchschnittlich |
Sehr hoch |
Hoch |
Niedrig |
| Kreativdirektor |
Hoch |
Mittel |
Durchschnittlich |
Hoch |
Sehr hoch |
| HR-Business-Partner |
Hoch |
Hoch |
Hoch |
Hoch |
Hoch |
| Softwareentwickler |
Mittel |
Mittel |
Hoch |
Hoch |
Hoch |
Bitte beachten Sie:
Diese Profile dienen nur als Anhaltspunkt. Erfolgreiche Fachkräfte können in verschiedenen Bereichen herausragende Ergebnisse erzielen. Verwenden Sie diese als Richtlinie, nicht als strenge Kriterien.
Wissenschaftlicher Hintergrund und Validität
Das Big-Five-Modell basiert auf jahrzehntelanger Forschung und hat sich als das robusteste Persönlichkeitsmodell bewährt:
| Validitätsaspekt |
Big-Five-Wert |
Bedeutung |
| Test-Retest-Zuverlässigkeit |
0,80-0,90 |
Sehr stabile Ergebnisse über einen längeren Zeitraum |
| Prädiktive Validität für die Arbeitsleistung |
0,20-0,40 |
Signifikante Vorhersage des Erfolgs |
| Interkulturelle Validität |
95 %+ Kulturen |
Universell anwendbares Modell |
| Genetische Grundlage |
40-60 % erblich bedingt |
Stabile biologische Grundlage |
ROI der Big-Five-Implementierung
Unternehmen, die das Big-Five-Modell effektiv umsetzen, erzielen messbare Ergebnisse:
Gemessene Vorteile:
25 % geringere
Fluktuation durch bessere Passung von Mitarbeiter und Position
15 % höhere
Teameffektivität durch bewusste Teamzusammenstellung
30 % höhere
Mitarbeiterzufriedenheit bei passenden Rollen
20 % schnelleres
Onboarding durch gezielte Entwicklungspläne
Checkliste für die Umsetzung des Big-Five-Modells
Für Unternehmen, die mit dem Big-Five-Modell beginnen möchten:
Checkliste vor der Umsetzung:
☐ Definieren Sie klare Ziele für den Einsatz
☐
Wählen Sie einen validierten, zuverlässigen Testanbieter
☐ Schulen Sie das HR-Team in der Interpretation und in Gesprächstechniken
☐ Entwickeln Sie Datenschutz- und Datensicherheitsprotokolle
☐ Legen Sie fest, welche Funktionen/Prozesse für das Assessment geeignet sind
☐ Erstellen Sie einen Kommunikationsplan für die Mitarbeiter
☐ Legen Sie Bewertungskriterien für den Erfolg der Implementierung fest
Fazit
Das „Big Five“-Persönlichkeitsmodell bietet Unternehmen eine wissenschaftlich fundierte Methode zur Erfassung der Persönlichkeit. Anhand der fünf Dimensionen: Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, emotionale Stabilität und Offenheit, können Personalverantwortliche fundiertere Entscheidungen in Bezug auf Personalbeschaffung, Mitarbeiterentwicklung und Teamzusammensetzung treffen.
Das Modell zeichnet sich durch seine Zuverlässigkeit, kulturelle Neutralität und praktische Anwendbarkeit aus. Im Gegensatz zu Typologien steckt das Big-Five-Modell Menschen nicht in Schubladen, sondern vermittelt ein differenziertes Bild, das Raum für Wachstum und Entwicklung lässt.
Wichtige Punkte zum Merken:
Wissenschaftliche Grundlage:
Das „Big Five“-Modell ist das am besten validierte Persönlichkeitsmodell auf dem Markt.
Praktischer Nutzen:
Direkte Anwendungsmöglichkeiten in allen HR-Prozessen.
Keine Etikettierung:
Der dimensionale Ansatz respektiert die Individualität.
Kulturell neutral:
Weltweit in verschiedenen Organisationen anwendbar.
ROI-orientiert:
Messbare Verbesserungen bei der Teameffektivität und der Mitarbeiterzufriedenheit